Unfallbedingte Schultererkrankungen:

Schulterluxation

Durch entsprechend unfallbedingte Einwirkung aber auch angelegter Schulterinstabilität kann es zum Auskugeln des Oberarmkopfes aus der Gelenkpfanne kommen. In den meisten Fällen luxiert (kugelt) die Schulter nach vorne unten aus (möglich ist auch die Luxation nach hinten oder direkt nach unten). Hierbei kommt es meist zur Verletzung der Gelenklippe (Labrum) und/oder der vorderen Kapsel bzw. der Subscapularissehne („Innendrehsehne“). Der Oberarmkopf wird gegen die Pfanne gedrückt: es entsteht die so genannte „Hill-Sachs-Delle“.

Der Arm wird in Schonhaltung vor dem Körper gehalten, jede Bewegung ist sehr schmerzhaft. 

Die Diagnose kann meist schon klinisch gestellt werden.Gesichert wird die Diagnose mittels Röntgenbild. Begleitverletzungen können im Kernspin gesehen werden. 

Die Reposition gelingt meist durch verschiedene Zugmanöver. Verhakt der Oberarm in der Pfanne, kann auch die Reposition in Narkose notwendig sein. Jede Luxation stellt einen medizinischen Notfall dar und muss sofort behandelt werden. 

Nach dem Einrenken ist – je nach Alter und Geschlecht – operatives oder konservatives Vorgehen notwendig. Während die Reluxationsrate bei jungen Menschen unter 25 Jahren (und hier bevorzugt männliches Geschlecht) sehr hoch ist, sollte primär eine stabilisierende Operation angestrebt werden. Andernfalls kann die Stabilität der Schulter durch geeignete Physiotherapie erreicht werden.

Oberarmbruch

Brüche des Oberarmes entstehen meist bei Stürzen mit entsprechender Energie, in höherem Alter auch und v.a. bei Osteoporose. 

Die Diagnose wird über konventionelles Röntgen, bei speziellen Fragestellungen im CT gestellt.

Je nach Bruchform ist operative Therapie notwendig. Hierfür stehen mannigfaltige Implantate zur Verfügung. Als Faustformel gilt: je jünger der Patient, desto eher sollte operiert werden.

Gelenkpfannenbruch

Im Rahmen eines entsprechenden Unfalls kann zum isolierten Gelenkpfannenbruch kommen. Aber auch im Rahmen einer Schulterluxation bricht gelegentlich die Gelenkpfanne. 

Die Diagnose wird über konventionelles Röntgen, bei speziellen Fragestellungen im CT gestellt.

Je nach Bruchform ist hier die operative Versorgung notwendig. Selbige wird im Krankenhaus durchgeführt. Als Implantate kommen heutzutage hauptsächlich Schrauben oder bioresorbierbare Stifte/Anker in betracht. Ist nur ein kleiner Anteil der Gelenkpfanne betroffen, kann auch konservativ verfahren werden.

Schlüsselbeinbruch

Im Rahmen eines Sturzes (meist Skifahren, mountainbiken, skateboarden) kommt es zum Bruch des Schlüsselbeines. Das Schultergelenk als solches ist hiervon meist nicht betroffen. 

Die Diagnose wird über konventionelles Röntgen, bei speziellen Fragestellungen im CT gestellt.

Je nach Bruchform muss hier operativ vorgegangen werden. Als Implantate kommen meist Platten zum Einsatz. Die Schulter kann nach der Operation meist funktionell nachbehandelt werden. Die konservative (ohne Operation) Therapie erfolgt meist mittels Rucksackverband oder Schulter-Arm-Bandage über mehrere Wochen. Erst nach ein bis zwei Wochen kann vorsichtig funktionell behandelt werden.

Rotatorenmanschettenruptur

Die Rotatorenmanschette wird gebildet aus den Sehnen 4er Muskeln: Supraspinatus, Infraspinatus, Teres minor und Subscapularis. Sie setzen wie eine Kappe am Oberarmkopf an. Kommt es durch einen Unfall (meist Abfangversuche im Rahmen eines Sturzes) zu hoher Krafteinleitung, kann es zur primären Sehnenruptur kommen. Selten sind auch knöcherne Ausrisse der Sehnen möglich. Auch eine chronische Schädigung der Rotatorenmanschette kann zu ähnlichen Beschwerden und Funktionsverlust führen (z.B. im Rahmen eines sog. „Impingementsyndroms“).

Die Primärdiagnostik ist in aller Regel eine Röntgenaufnahme des Schultergelenks in 2 Ebenen. Hier können knöcherne Verletzungen primär erkannt werden. Gegebenenfalls benötigt Ihr Chirurg auch ein CT um genaue knöcherne Verletzungen (z.B. nach einer Schulterluxation) genau beurteilen zu köennen. Ergänzt wird die Diagnostik durch Ultraschall oder als Gold-Standard durch eine Magnetresonanztomographie (MRT, Kernspin).

Je nach Lokalisation der Ruptur kommt es zu entsprechenden Funktionsausfällen. Diese reichen im einfachsten Fall von bewegungsabhängigen Schmerzen bis hin zur Pseudo-Lähmung der Schulter. Im Vordergrund stehen meist Schmerzen direkt nach dem Trauma. 

Die Behandlung kann bei älteren Patienten zunächst konservativ begonnen werden. Sie besteht im Wesentlichen in der Schmerzbehandlung, Schonung und ggf. Physiotherapie. Kommt es nach einigen Monaten konsequenter Therapie nicht zu ausreichender Schmerzarmut und Funktion, sollte die operative Therapie in Erwägung gezogen werden.

Bei jüngeren Patienten sollte eher zur zeitnahen Rekonstruktion der Rotatorenmanschette geraten werden.

Schultereckgelenksprengung (ACG-Sprengung)

Das Schultereckgelenk wird aus dem Schulterdach (Akromion) und dem seitlichen Ende des Schlüsselbeins (Klavikula) gebildet. Die Stabilität ist hauptsächlich durch die Bandverbindungen des Schlüsselbeins mit dem Schulterblatt (und hier der Basis des Rabenschnabelfortsatzes, sog. „Coracoid“) gegeben. 

Je nach Schwere des einwirkenden Traumas kommt es zur Zerrung über die Teilzerreißung bis hin zur vollständigen Zerreißung der Bänder. Die Gelenkkapsel wird entsprechend geschädigt. Häufige Verletzungen treten beim Skifahren oder Radfahren auf.

Primär tritt Bewegungsschmerz auf. Auch beim Liegen auf der betroffenen Seite kommt es zu Schmerzen. Die Funktion der Schulter selbst ist meist nicht eingeschränkt.

Die Diagnose ist meist bereits durch Abtasten des seitlichen Endes des Schlüsselbeines (Schmerz!) zu stellen. Oft steht das Schlüsselbein deutlich hoch. Im Röntgen kann dann das Ausmaß der Verletzung beurteilt werden (Spezialaufnahmen unter Belastung im Seitenvergleich sind hilfreich).

Bis zu einem gewissen Grad kann die Verletzung konservativ behandelt werden. Dann muss die Schulter für eine gewisse Zeit in einer Schulter-Arm-Bandage (Gilchrist-Verband) ruhig gestellt werden. Nach Rückgang der initialen Beschwerden kann mit Bewegungsübungen begonnen werden. Abspreiz- und Anhebebewegungen über 90° sollten für ca. 6 Wochen vermieden werden.

Bei höhergradigen Verletzungen oder verbliebener Instabilität bzw. Schmerzen nach konservativer Therapie sollte das Schultereckgelenk operativ stabilisiert werden. Hierfür stehen viele moderne Operationsmethoden zur Verfügung.

Ruptur der langen Bizepssehne

Am vorderen Oberarm befindet sich der Bizepsmuskel. Dieser hat am oberen Ende 2 Sehnen: die lange und die kurze Bizepssehne. Während die kurze Bizepssehne am Rabenschnabelfortsatz ansetzt (ein Teil des Schulterblattes), läuft die lange Bizepssehne über den Oberarmkopf durch das eigentliche Schultergelenk und setzt an der Gelenkpfanne oben an. 

Durch bestimmte Unfallmechanismen kann es zum Abriss der langen Bizepssehne kommen. Bei Hochrasanztraumen ist dies auch bei jungen Patienten möglich. Meist ist die lange Bizepssehne jedoch chronisch vorgeschädigt.

Schmerzen bestehen meist nur zu Beginn und klingen spontan ab. Die Funktion in der Schulter bzw. Ellenbogengelenk ist meist voll erhalten (wenngleich schmerzhaft!).

Die Diagnose lässt sich meist schon durch Inspektion stellen. Der Bizepsbauch rutscht nach unten: sog. „Popeye-Zeichen“. 

Prinzipiell bedarf die Ruptur der langen Bizepssehne keiner Therapie.  Sie hat nur zu ca. 10% Anteil an der Beugung im Ellenbogen. Dennoch kann es Gründe geben, die für eine Rekonstruktion sprechen: Hoher ästhetischer Anspruch, schwere körperliche Arbeit oder Sportler auf Hochleistungsniveau. Die Sehne kann dann über verschiedene – vorzugsweise minimalinvasive – Verfahren am oberen Oberarm refixiert werden.

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